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Die Nachkriegsrennen im Spannungsfeld der
Ost-West-Gegensätze 1949 - 1950

Unter schwierigen Bedingungen zu den Gesamtdeutschen Meisterschaften

durch einen Schalthebelbruch ab der 3. Runde gehandikapt war.

Erich Wünsche - Dresden (Norton), zur damaligen Zeit erfolgreichster Ostzonenfahrer, fuhr mit 107,86 km/h die schnellste Zeit des Tages. Bei diesem Lauf der 500-ccm-Maschinen starteten Lizenzfahrer und Ausweisfahrer gemeinsam. Matthias Berger - Erfurt, bekannt durch seinen ausgezeichneten Fahrstil, übequerte mit seiner BMW als Zweiter die Ziellinie und wurde damit Sieger der Ausweisklasse. Ihm folgte der Ausweisfahrer Walter Knoch - Lichtenbrunn (NSU), der mit diesem 2. Platz auf sich aufmerksam machte und erkennen ließ, daß in Zukunft mit ihm zu rechnen ist.

Sieger der Klassen bis 500-ccm 1949 - Die Sieger der Klasse bis 500 ccm.
v.l. Erich Wünsche - Dresden und Matthias Berger - Erfurt


Die weiteren Sieger waren Arthur Flemming - Berlin (250 ccm Saugm.), August Simon - Eisenach (350 ccm - Lizenz), Erich Schmutzler - Neundorf b. Plauen (125 ccm Ausweis).

1950 - Gesamtdeutsche Meisterschaften
Hochstimmung unter den Zuschauern

Das 17. Schleizer Dreieckrennen mußte unter Bedingungen organisiert werden, die von wesentlichen Veränderungen der politischen, gesellschaftlichen und sportlichen Strukturen abhängig waren. An die Stelle der Ostzone war die DDR getreten. Der bis dahin strukturenfreie Raum im Sport wurde ausgefüllt von dem neu gebildeten Deutschen Sportausschuß, der für alle sportlichen Aktvitäten in der DDR die Oberhoheit übernahm und auch als Veranstalter des Schleizer Dreieckrennens 1950 auftrat. Eine Motorsport-Gemeinschaft (MSG) Schleiz war ins Leben gerufen woben, die mit der Durchführung des Rennens beauftragt wurde und - das war für die Motorsportfreunde und nicht nur für die das größte Geschenk - Schleiz wurde Austragungsort des 5. Gesamtdeutschen Meisterschaftslaufes. Sieben dieser Läufe gab es, zwei davon wurden in Ostdeutschland ausgetragen.

Viele Hoffnungen verbanden sich mit diesem kleinen, ersten Schritt in Richtung Wiedervereinigung. Die Stimmungslage dieser Tage läßt der offizielle Rennpressedienst des 17. Schleizer Dreieckrennens erahnen, in welchem der Pressereferent der MSK (Motorsportkommission der DDR) Herbert Beyer aus Leipzig schrieb:

"Zum ersten Male nach der Wiedergeburt des Motorsports in der DDR im Jahre 1949 wird jetzt der Wunschtraum der nach Hunderttausenden zählenden Motorsportfreunde im Osten Deutschlands Wirklichkeit, zum ersten Mal nach elfjähriger Pause wird wieder ein Gesamtdeutscher Meisterschaftslauf für die deutsche Motorrad-Straßenmeilsterschaft durchgeführt, zum ersten Mal können wir Wiedersehen feiern mit all unseren alten Bekannten, mit den gesamten Spitzenfahrern aus dem Westen unseres Vaterlandes. Über Zonengrenzen haben sie uns die Bruderhand gereicht, um in friedlichem Wettstreit im Rahmen des Schleizer Dreieckrennens, des 5. Laufes der Deutschen Motorrad-Straßenmeisterschaft 1950, Seite an Seite mit unseren Sportlern ihre Kräfte zu messen. Wieder ein Schritt weiter zu der von West und Ost lange herbeigesehnten Wiedervereinigung Deutschlands."

Leider blieb es bei diesem einmaligen Zusammengehen der MSK der DDR und der OMK der Bundesrepublik. Bis zur Wiedervereinigung mußten noch 40 Jahre, teilweise in offener Feindschaft zwischen diesen beiden Verbänden, vergehen.

250.000 Menschen auf den Beinen

Noch im Januar 1950 wurde in Anwesenheit des 2. Vorsitzenden der MSK der DDR die Mortorsport-Gemeinschaft Schleiz aus der Taufe gehoben, deren Vorstand Hans Leichsenring und Johannes Wächter als 1. bzw. 2. Vorsitzender, Helmut Steinweg, Hermann Kiss, Hans Pörsch, Ernst Weber und Fritz Tischendorf angehörter. Sie wurde mit der Durchführung des kommenden Rennens beauftragt. Die Gründungsversammlung im Februar 1950 stieß auf eine große Resonanz der Schleizer Freunde des Dreieckrennens und gab den mit der Gesamtleitung des 17. Rennens beauftragten 1. Vorsitzenden die notwendige Rückenstärkung. Eine immense organisatorische Arbeit leistete Günter Tag aus Schleiz als Organisationsleiter, der in den folgenden Jahren durch seinen hohen persönlichen Einsatz wesentlich an der Konsolidierung der Schleizer Nachkriegsrennen beitrug.

Die offiziellen Startlisten zum Meisterschaftslauf am 23.07.1950 umfaßten genau 100 Fahrer in den 6 Lizenzklassen, wovon 71 aus dem Westen Deutschlands kamen. Namen wie Georg Meier, Heiner Fleischmann, Ewald Kluge, H. P. Müller, Siegfried Wünsche, Wiggerl Kraus, Walter Zeller, Hermann Böhm/Karl Fuchs brachten 250.000 Menschen aus beiden Teilen Deutschlands zu einer Pilgerfahrt nach Schleiz auf die Beine. An den Grenzübergängen - so berirchtete die Tagespresse - wurden die Rennbesucher aus dem Westen bevorzugt abgefertigt. Überall war Hochstimmung.
Das Training fand bei strahlendem Sonnenschein statt. Trainingsschnellster war Georg Meier - München (BMW-Kompressor) mit einer erzielten Geschwindigkeit von 126,57 km/h. Der Zwei-Zentner-Mann Heiner Fleischmann - Amberg und seine 4 Zentner schwere NSU-Kompressor-Maschine war 3,6 Sekunden langsamer. Dafür erreichte Fleischmann in der 350-ccm-Klasse die schnellste Trainingszeit. In der ViertelLiter-Klasse ließ Ewald Kluge mit 4:08,7 min = 112,79 km/h keinen Zweifel aufkommen, daß er der Herr des Feldes ist. Walfried Winkler steuerte seine DKW-Kompressor-Eigenbau-Maschine auf den 2. Startplatz. Auch in der Achtel-Liter-Klasse fuhr Kluge Trainingsbestzeit.

1950 H. P. Müller mit Ewald Kluge 1950 - 125-ccm-Sieger H. P. Müller mit Pechvogel Ewald Kluge


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